Die Staatsanwaltschaft Ungarns hat ein umfangreiches kriminelles Netzwerk aufgedeckt, das sich auf Immobilienbetrug in Budapest und in der Region des Plattensees spezialisiert hatte.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Veszprém verursachte die Gruppe, die mit Beteiligung von Juristen und Bankangestellten operierte, innerhalb weniger Monate einen Schaden von fast 1,5 Milliarden Forint (rund 3,8 Millionen Euro).
Die Betrugssysteme der Täter waren über Jahre hinweg perfektioniert worden. Sie eigneten sich illegal Häuser, Wohnungen und Grundstücke an, indem sie gefälschte Dokumente und manipulierte Vollmachten nutzten. Einige der Immobilien gehörten Menschen, die bereits vor Jahren verstorben waren – ihre persönlichen Daten wurden einfach zur Erstellung gefälschter Verträge verwendet. Laut Anklage brachte die Gruppe innerhalb kurzer Zeit rund ein Dutzend Immobilien an sich, jede im Wert zwischen 25 und 236 Millionen Forint. Der Gesamtschaden wird auf etwa 1,3 Milliarden Forint geschätzt.
Eine Schlüsselrolle spielte ein Mitarbeiter eines Unternehmens, das sich mit der Verwertung von belasteten Immobilien befasste. Er hatte Zugang zu Datenbanken mit Adressen herrenloser Objekte sowie zu persönlichen Informationen ihrer Eigentümer. Genau diese Daten bildeten die Grundlage für die gefälschten Dokumente und die illegale Umschreibung von Eigentumsrechten.
Insgesamt stehen 24 Personen in dem Fall vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Hauptbeschuldigten 5 bis 8 Jahre Haft, die Beschlagnahmung ihres Vermögens sowie ein Berufsverbot, sofern sie ihre Schuld eingestehen.
Es sei darauf hingewiesen, dass ähnliche Fälle in Ungarn bereits zuvor vorkamen. Im April dieses Jahres wurden zwei ungarische Anwälte verurteilt, die zwischen 2008 und 2014 gemeinsam mit einem Immobilienmakler illegal Immobilien von älteren und sozial schwachen Bürgern an sich gebracht hatten. Damals belief sich der Schaden auf 70 Millionen Forint. Einer der Juristen erhielt vier Jahre Haft und verlor seine Zulassung, der andere bekam eine Bewährungsstrafe.